Vom Stamm zum Scheit

Immer mehr Osthessen setzen offenbar auf den nachwachsenden Rohstoff Holz, um wohlige Wärme für ihr Eigenheim zu erzeugen.

Vom Stamm zum Scheit

Brennholzwerk Fulda profitiert von anhaltendem Boom. Von Mirko Luis.

Immer mehr Osthessen setzen offenbar auf den nachwachsenden Rohstoff Holz, um wohlige Wärme für ihr Eigenheim zu erzeugen. „Die Nachfrage nach Brennholz hat stark zugenommen“, freut sich Unternehmer Siegfried Klingl.

Der 46-Jährige, der zuvor in anderen Branchen als Selbstständiger seine Brötchen verdiente, hat wohl einfach das berühmte Quäntchen Glück, das man für ein mit vollem persönlichen Risiko zum Laufen gebrachtes Startup-Unternehmen braucht.

Die steigenden Energiepreise, für die noch kein Ende in Sicht ist, verschafft dem Mann, der alles auf eine Karte setzte, so viel Aufträge und Arbeit wie noch nie im Leben.

Rund eine Million Euro nahm Klingl seit dem Jahre 2010 für Investitionen in Grundstück, Gebäude, Maschinen, Personal, Fuhrpark und Marketing in die Hand, nachdem sich seine Geschäftsidee als eine Art Selbstläufer erwies. Die Politik der Energieriesen, sprich das Ansteigen von Öl- und Gaspreisen, verteuerte wegen steigender Nachfrage mittlerweile zwar auch Brennholz - dennoch wollen immer mehr Menschen die preisgünstigste Alternative so viel wie möglich nutzen.

Auf die Idee, erstklassiges Brennholz zu produzieren und bei der Vermarktung beim Endkunden mit noch mehr Service zu punkten, kam Klingl mehr oder weniger aus Eigenbetroffenheit und einem persönlich empfundenen Mangel heraus. „Ich heize ja selber sehr gern mit Holz wegen dessen Eigenschaften und wegen des günstigen Preises, stellte aber fest, dass man an vernünftiges Holz mit entsprechenden Brennwerten zu gescheiten Preisen gar nicht so leicht rankommt“, so Klingl.

Und der zeitliche Aufwand, den man beispielsweise als Selbstversorger habe, der sei auch nicht zu unterschätzen. „Wenn man nicht so gut mit Werkzeugen oder Maschinen ausgestattet ist, dann nützt auch Forstamt-Kunden auch der schönste Wald direkt vor der Haustür nichts.“ Dabei machen es die Forstämter Kunden insofern schon leichter, als dass sie die gefällten Bäume zur Abfuhr an die sogenannten Polter, sprich Sammelplätze für Langholz, bringen.

Da Klingl mit seiner Idee 2010 nicht unbedingt warten, einiges ändern, aber auch nicht unbedingt schnell wieder vom Markt verschwinden wollte, hatte er ein halbes Jahr vor Unternehmensgründung das gesamte Branchenumfeld gewissenhaft recherchiert. Er erstellte einen Marketingplan, zog sich Experten zu Rate, verhandelte eisern mit Banken, sicherte sich eine vielversprechende Internetadresse und betrieb - bilderbuchmäßig - Marken-Branding.

In Mackenzell wurde ein 15.000 Quadratmeter großes Gelände erworben, die dortige ehemalige Schreinerei umgebaut und als Betriebsstätte hergerichtet. Der Sägespaltautomat, der Stämme von sechs Metern Länge und einem Durchmesser von 70 Zentimetern verarbeitet, ist schon äußerlich ein Kraftprotz. Mittels eines aufgebauten Krans werden die Stämme auf den Kettenförderer aufgelegt und der hydraulischen Säge zugeführt. Der Abschnitt wird mittels eines Hubsystems direkt vor dem Spaltzylinder abgelegt und mit diesem durch das zu wählende Spaltkreuz gedrückt. Das Hubsystem hat einen gigantischen Spaltdruck von 80 Tonnen.

Über ein stationäres, sieben Meter langes Abförderband werden die Scheite schließlich der weiteren Fördertechnik übergeben. In punkto Kundenservice schwebte Klingl von Anfang an die komfortabelste Lösung vor: Ohne auch nur einen Finger krumm zu machen, sollte der Kunde einfach im Internet per Mausklick die gewünschte Menge Brennholz - picobello von allen missliebigen Rückständen der Natur befreit - aufs heimische Grundstück geliefert bekommen. Und das zu einem wettbewerbsfähigen Preis, der nur durch modernste Technik, kluge Logistik und zeitgemäßes Dienstleistungsverständnis möglich wird.

Inzwischen, man kann sich davon beim Studieren der Firmenhomepage überzeugen, ist aus den Visionen Wirklichkeit geworden. Das Unternehmen, das im Gespräch mit unserer Redaktion auf eine gute Zusammenarbeit mit den Forstämtern der Region verwies und das Buchenholz tagtäglich von zurzeit 25 Poltern abtransportiert, beschäftigt zurzeit fünf Mitarbeiter, unterhält einen eigenen, flexiblen Fuhrpark und fährt - von montags bis samstags 7 bis 17 Uhr - eine stramme Sechs-Tage-Woche.

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